Starke Frau(en)

Die Buchblogparade 2014, von Eva Maria Nielsen ins Leben gerufen, beginnt und ich habe seit der Anmeldung dafür überlegt, womit ich wohl anfangen sollte. Ich präsentiere:

“Medea. Stimmen” von Christa Wolf.

Das Buch des Monats Januar ist es nicht nur geworden, weil ich es gerade gelesen habe. Sein in Monologen der wichtigsten Personen angelegter Erzählstil wirkt zuerst mystisch, ist jedoch interessant und fesselt. Denn nach und nach erschließt sich dem Leser aus den Gedanken und Aussagen der unterschiedlichen Charaktere ein zusammenhängendes Bild der beschriebenen Geschehnisse rund um die sagenumwobene Frauenfigur Medea.

Dabei wird das Bild der Medea, die als Zauberin und Kindsmörderin in die Sagenwelt der griechischen Mythologie eingegangen ist, zurecht gerückt. Christa Wolf sieht das alles ein wenig anders. Auf mich wirkt ihr Abweichen von der Figur der gekränkten, rachelüsternen Mörderin durchaus nachvollziehbar.

Das Cover des Buches zeigt ein Foto von Christa Wolf. Mein Gedanke dazu war sogleich: Warum hat man hier nicht die beschriebene dunkelhaarige Schönheit abgebildet?

Könnte Medea so ähnlich ausgesehen haben?Zeichnung meiner zehnjährigen Tochter

Wenn man sich dann näher mit dem Buch befasst, erkennt man, dass es sich hierbei nicht nur um eine neu geschriebene Geschichte aus der griechischen Mythologie handelt, sondern dass der Roman autobiographische Züge hat und politisch Bezug nimmt auf die Konflikte der in den Jahren der Teilung völlig auseinander gedrifteten beiden deutschen Staaten.

Da ich mit süßen 46 ;) gerade mein Abitur nachhole, ist das Buch aus meiner Sicht noch interessanter. Zum einen, weil ich als ehemalige Ostdeutsche in einer Mainzer Schule sitze und dort gewissermaßen DDR-Zeitzeugin bin und es immer wieder interessant ist, wenn wir auf die Vergangenheit der BRD und DDR, die Wende etc. zu sprechen kommen. Zum anderen war ich Anfang zwanzig und junge Mutter meiner älteren Tochter als die Mauer fiel. Somit habe auch ich rückblickend noch viel zu entdecken auch in Bezug auf meine Vergangenheit und die meiner Familie.

Ein kurzer Auszug aus “Medea. Stimmen” S. 36:
“…Korinth ist besessen von der Gier nach Gold… Und was uns am meisten befremdete: Man mißt den Wert eines Bürgers von Korinth nach der Menge des Goldes, die er besitzt, und berechnet nach ihr die Abgaben, die er dem Palast zu leisten hat.”
Und sogleich beginnt es wieder, das Spiel der 1000 Gedanken.

Details zum Buch

Medea. Stimmen
Autorin: Christa Wolf
Suhrkamp Verlag
223 Seiten
8 Euro
Erschienen: 1996 und in verschiedensten Sprachen und Ländern der Welt

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