Streik der Kindertagesstätten – wo bleiben die Kinder?

Mit Interesse verfolge ich alles was zum Thema Streiks in den Kindertagesstätten momentan so nach außen dringt. So habe ich auch heute Morgen das Interview von Marion Kuchenny auf HR1 mit dem Verdi Vertreter gehört. Für die kritische Hinterfragung möchte ich einmal Danke sagen.

Kinderzeichnung mit Aufschrift Streik

So Dinge wie “den ganzen Tag auf den kleinen Stühlen” und “der dauerhafte Lärm” sind mir nämlich ebenfalls sauer aufgestoßen. Wer zwingt denn die Erzieher zum Sitzen auf den Stühlen? Die sind ja nun für die Kinder gedacht. Es sollte doch wohl möglich sein einen Stuhl für die Erzieher in den Raum zu stellen!

Weiterhin der Lärm: der Lärm ist enorm. Das ist richig. Mir würde das nicht gefallen, ein Grund warum ich nicht Erzieher geworden bin. Doch ich möchte feststellen, auch die Kinder leiden unter dem Lärm. Meine Tochter macht der Lärm sehr zu schaffen. Sie besuchte eine Kinderkrippe die bestens ausgestattet war. Zehn Kinder auf zwei, zeitweise drei Erzieher das war wunderbar, nahezu paradiesisch. Der Wechsel zum Kindergarten fiel schwer. Plötzlich waren da 25 Kinder und auch nur zwei Erzieher in einem Raum. Holte ich das Kind nachmittags ab, war sie deutlich gestresst. Am liebsten war ihr immer das Spiel im Garten, denn dann war es weniger laut. Oftmals war sie trotz Mittagsschlaf nach 15:00 Uhr schon wieder sehr schlapp, müde und schlief im Auto auf dem Heimweg ein.

Wenn man jetzt streikt und als Ergebnis herauskommt, dass man hergeht und die Gruppenstärken in den Kindertagesstätten reduziert, mehr Erzieher einstellt, diese besser ausbildet, die Gebäude mit Lärmschutz ausstattet, große Räume entsprechend präpariert würden, würde ich das gerne unterstützen. Die Realität jedoch sieht so aus, dass in den Kindertagesstätten wie bei uns eine Kita mit Hort für Schulkinder, noch Krippenkinder aufgenommen werden sollen.

Was man tut, ist streiken für mehr Geld.

Wie hängt das zusammen? Es bleibt der Lärm, an den Arbeitsbedingungen und Lebensbedingungen für die Kinder hat sich dann ja noch immer nichts geändert. Die Kinder leiden weiterhin darunter. Es leiden schon die Großen und so ein Haus ist einfach nicht ausgestattet, für ein Kleinkind was Ruhe und Rhytmus und noch sehr viel Fürsorge braucht. Den Älteren wird die ohnehin knappe Zeit der Erzieher gestohlen, denn die müssen sich mehr um die Jüngeren kümmern.

Deshalb müsste man mal zum Streik für die Kinder aufrufen, doch diese haben hier keine Lobby.

Es steht heute morgen in der Tageszeitung zu lesen, dass man bei den Streiks die Unterstützung der Eltern hat. Ich frage mich nur inwiefern? Denn man informiert uns ja nichtmal umfassend. Mir wurde am Montag auf dem Gang zugerufen dass in naher Zukunft gestreikt wird. “Wir bitten um Eure Unterstützung” Ja wie denn, wenn man es nicht schafft uns entsprechend zu informieren?

Auf meine Nachfrage gestern in der Kita konnte man mir noch immer nicht mitteilen, wann denn nun genau in der Kita gestreikt wird. Ich bin selbständig tätig. Wir haben keine Verwandschaft hier. Ein Streik in der Kita (meine Tochter besucht den Hort) geht von meiner Arbeitszeit ab. Sprich, was ich nicht arbeiten kann, fehlt mir und meinem Kind im Portemonnaie, da ich wegen des Teilzeitplatzes eben auch nur Teilzeit arbeiten kann.

Es tut mir leid, ich kann die Streiks nicht uneingeschränkt unterstützen. Da wäre mehr Aufklärung und Überzeugungsarbeit zu leisten. Und es sollte mal an die Kinder gedacht werden.

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7 Antworten auf Streik der Kindertagesstätten – wo bleiben die Kinder?

  1. Nicole sagt:

    Liebe Heike, in einem gebe ich Dir uneingeschränkt recht: “Wir bitten um Eure Unterstützung” Aber die Erzieher haben selbst kaum Ahnung, warum sie streiken (mehr Geld ist doch immer gut, oder?), also können Sie die betroffenen Eltern auch nicht informieren.
    Aufgrund der Rahmenbedingungen nicht Erzieher geworden? In der Lebensphase, in der man (eher Frau) Erzieher wird, ist man gemeinhin körperlich, geistig und seelisch noch stark belastbar und fit. Wie das nach einem Arbeitsleben mit 50 oder 60 aussieht, kann zu dem Zeitpunkt nicht abgeschätzt werden. Arbeitsbedingungen zu schaffen, in denen man auch nach Jahrzehnten noch kraftvoll arbeiten kann, das ist mein Wunsch und größer Traum für alle Menschen. Und daran sollten wir auch weiter arbieten.

    Ich selbst weiß auch nur von den Medien, dass für besser Bedingungen und mehr Geld gestreikt wird.
    Dass der Erzieherberuf unterbezahlt ist, das sollte uns allen klar sein (oder wieviele Familienernährer im Erzieherberuf kennen Sie?). Meine Tochter ist sechs Jahre alt und mir wird jetzt in der Schulzeit immer stärker bewusst, welche Weichen und Möglichkeiten in der Kita-Zeit gestellt werden, oder verpasst werden. Daher plädiere ich für bessere Bezahlung, gute Qualifizierung und einen höheren Ansporn an die Erzieher. Auch die Anerkennung der Arbeit lässt sehr zu wünschen übrig (die spielen doch den ganzen Tag, das kann doch jeder). Die gesellschaftliche Anerkennung eines Berufs lässt sich fast 1:1 mit der Bezahlung umsetzen und daher ist die Forderung nach mehr Geld gerechtfertigt.

    Liebe Heike – ich danke Dir für den Artikel und den Gedankenaustausch – Nicole

  2. Ulrike sagt:

    Ja, ich kann da nur zustimmen. Auch hier in Kairo kaempfen wir mit aehnlichen Bedingungen, allerdings sind hier die meisten KiGa und Horte etc., die mit denen in Dland zu vergleichen sind, in privater Hand – aber es ist wie ueberall, gute Bezahlung ist nur schwer machbar, da Kosten hoch sind und Eltern nur wenig zahlen wollen und/oder koennen.
    Aber sicher ist die Berufswahl freiwillig und Lohnerhoehungen werden die Bedingungen fuer die Kinder eher nicht aendern. P.S. bei uns sitzen die BEtreuerinnen wo moeglich mit den Kindern auf dem Teppich, im Sand, oder auf grossen Stuehlen, und nur wenn nicht anders moeglich auf den kleinen Stuehlen. Die sind ja nun auch wirklich ungemuetlich!

  3. Inge sagt:

    Liebe Heike,
    vollste Zustimmung. Meine Kleine ist zwar schon seit 5 Jahren aus dem Kindergarten raus, aber trotzdem kann ich mich noch gut an die Zeit erinnern. Wir leben ganz idyllisch in Oberbayern auf dem Land, die Kindergärten in der Umgebung sind hell und freundlich eingerichtet mit einem großen Garten. Migration ist hier beispielsweise gar kein Thema. Ich habe den Kindergarten aber immer eher wie eine Aufbewahrungsanstalt empfunden. Vorschläge, zum Beispiel – sogar kostenlos – spielerische Englischkurse für die Kinder anzubieten, wurden als exotisch abgelehnt. Heute sieht es ganz anders aus: Englisch, Computerkurse für Vorschulkinder, Skilager und alles mögliche wird angeboten. Grund: nur so bekommt der Kindergarten weiterhin die nötige Anzahl an Erzieherinnen und weitere Zuschüsse. Jetzt sollen auf einmal die Kinderpflegerinnen Dinge beherrschen und den Kindern beibringen, die sie selbst nie gelernt haben. Das Problem bei uns in D ist, dass die Kindergärten nicht Ernst genug genommen werden. In Skandinavien beispielsweise bekommen die Erzieherinnen eine ganz andere Ausbildung und haben selbst einen höheren Schulabschluss oder sogar pädagogisches Studium absolviert. Ich bin für bessere Bezahlung, aber dann auch für höhere Anforderungen und eine bessere Ausbildung. Nur die Besten sollten für die kleinen Erdenbürger da sein, denn hier werden unheimliche Grundsteine fürs Leben gelegt. Das hat man in D offensichtlich noch immer nicht erkannt.
    Kein Verständnis habe ich auch für die schlechte Informationspolitik gegenüber den Eltern. Warum, so fragst ja auch schon Du, sollte man etwas unterstützen, was einem nicht mal näher erklärt werden kann und im Interesse der Eltern auch besser abgesprochen wird. An einem Strang kann man nur ziehen, wenn man in einem Boot rudert.
    In diesem Sinne danke auch ich Dir für Deinen Blogeintrag und würde mir wünschen, dass die Medien, speziell im Printbereich, dem Thema eine höhere Aufmerksamkeit und bessere Hintergrundberichterstattung widmen würden. LG Inge

  4. Hans sagt:

    Das ist eine interessante Diskussion.

    Und tatsächlich bekommt man als Eltern nicht so richtig viel mit von den Gründen und Hintergründen des Streiks.

    Und verdi ist auch nicht besonders geschickt bei der Umsetzung.

    Dennoch:

    Die Arbeitsbedingungen sind schlecht und die wenigsten Erzieherinnen (es sind hauptsächlich Frauen) arbeiten nicht bis zum Ruhestandsalter.

    Jungen Frauen kann man aber auch nicht vorwerfen, bei der Berufswahl nicht aufgepasst zu haben. Denn sie kümmern sich liebevoll um unsere Kinder.

    Der Erzieherberuf verdient mehr Anerkennung und Wertschätzung.

    Ein Anfang ist es, Gesundheitsvorgaben, die ein Gesetz von (ich glaube) 1996 geregelt hat, endlich umzusetzen.

    Wir in Köln unterstützen deshalb die KiTas. Und wenn wieder gestreikt wird, planen wir auch schon Aktionen.

    Seit gestern haben wir auch eine Community. Schaut doch mal rein:

    http://kita-elternnetz.mixxt.de/

    Viele Grüße

    Hans

  5. Sabine sagt:

    Hallo Heike,

    Du schreibst viel Wahres. Mich (auch selbstständig) hat der Streik aus heiterem Himmel getroffen. Die Erzieherinnen wussten auch nur so ungefähr, worum es ging. ICH hab mich dann selber auf der Ver.di-Site schlau gemacht.

    Klar unterstütze ich die Forderungen. Größere Stühle spendiere ich meinetwegen dem Kindergarten sofort, wenn nur endlich dieser WAHNSINN aufhören würde!
    Ein Streik mag bei einem Unternehmen funktionieren, das einen ökonomischen Schaden davon hat, wenn es bestreikt wird, aber hier trifft es zuallererst die Kinder und die Eltern, die auf die Betreuung angewiesen sind!
    Letztens stand mein Kleiner – der den Notkindergarten am Anfang ganz interessant fand – in seinem eigentlichen Kindergarten und sagte, er wüsste gar nicht, in welche Grupper er gehöre!

    Und von wegen: “Wir brauchen/haben die Unterstützung der Eltern”. Ja WIE DENN zum Kuckuck? Das hat mir bisher noch keiner beantwortet. Was können wir denn tun? Demos sind zwar irgendwie ein tolles Gemeinschaftserlebnis, aber irgendwie doch arg abgenutzt inzwischen. Beeindruckt die Verhandlungspartner auch nicht wirklich.
    Gebührenrückforderung bei der Gemeinde? Wurde abgewimmelt. Hätte auch nicht wirklich viel gebracht.
    Andere Vorschläge habe ich noch nicht gehört.

    Mit resignierten Grüßen,
    Sabine

  6. Heike sagt:

    Hallo,

    das sind tolle Kommentare hier. Herzlichen Dank an Euch, die ihr hier Eure Erlebnisse und Erfahrungen als Eltern beisteuert.

    @Inge Ja Aufbewahrungsanstalt – bei 25 Kindern und zwei Erziehern, ist das kaum was anderes. Auch ich habe mich bemüht, um Englischunterricht in der Kita. Leider vergeblich, bei uns hatte man die Ausrede, es könne nicht jeder bezahlen, also gibts das auch nicht.
    Die angesprochene Kita befindet sich in Ingelheim, einer der reichsten Städte Deutschlands. Für mich war das damals wirklich nicht nachvollziehbar.

    Wohlgemerkt in der früheren Einrichtung. In der heutigen gehts den Kindern doch schon merklich besser. Das will ich wirklich anerkennen.

    Zum Streik selber – dazu stand ein Artikel in der AZ Mainz. Darin erklärte eine Erzieherin, sie arbeitet seit drei Jahren für 1300 Euro netto. Ja wie bitte? So schlecht finde ich das jetzt nicht für den Berufsstart, wenn man bedenkt dass die Arbeitszeiten in geregelten Bahnen laufen, mal abgesehen von der weiteren Gehaltsentwicklung die man in der Wirtschaft häufig suchen kann. Es ist alles eine Frage des Anspruchs.

    @Sabine Als Unterstützung hätte man hier gerne, dass die Eltern in der Gemeinde anrufen und sich beschweren dass die Kita geschlossen ist.

    Eine Notfallkita passt auch nicht für jedes Kind. Man muss sich überlegen wie schwer es für ein junges Kind sein muß, plötzlich in eine fremde Einrichtung zu gehen, fremde Leute, fremde Kinder und noch mehr los als sonst. Nein niemals hätte ich das mit meiner Tochter machen können.

    So langsam wächst der Unmut der betroffenen Eltern.

    Es wird sich nichts bessern an den Rahmenbedingungen wie Ausstattung, Erziehermangel wenn man wieder als erstes die Gehälter bedienen muss.

    Als Erstes sollten mal die Kinder dran sein.

  7. Heike sagt:

    @Hans

    Danke auch für Deinen Beitrag. Leider wurde mir der als Spam gemeldet. Das liegt daran, weil Du den Link im Text hattest. Deshalb ist er erst heute freigeschaltet worden.

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